"Schweigen kann im Moment einen Streit verhindern.

Er kann aber aucheinen Konflikt auf unbestimmte Zeit zum Schwelen bringen."

(Hubert Joost, Steuerberater im Ruhestand)

 

 

 

Mediation - Phasen der Konflikteskalation nach Friedrich Glasl

 

 

Friedrich Glasl zufolge kann ein Konflikt in 3 Hauptphasen mit jeweils spezifischen Merkmalen gegliedert werden:

Eskalationsstufen nach Glasl

(Bildquelle: wikipedia.de)

 

 

Obwohl es nur ein Modell ist und in der Wirklichkeit Merkmale verschiedener Phasen gleichzeitig zu erkennen sind, gibt diese Abfolge doch einen guten Überblick über die tiefgreifende Veränderung während des Konflikts. Die nachfolgende Beschreibung dient dazu, einen Einblick in die Konfliktlawine zu erhalten und einige typische Verhaltensmuster zu erkennen. Sie können sich auf diese Weise ein Bild machen, in welchen Phase Sie sich (aus Ihrer Sicht) befinden und was folgen könnte, wenn der Konflikt nicht gelöst wird.

 

„win-win“

1. Verhärtung: zeitweilige Ausrutscher; Verkrampfung; Spannungsbewusstsein erzeugt Krampf, Vorherrschende Überzeugung: Spannung ist durch Gespräch lösbar; es gibt noch keine klaren Lager; Koorperation ist (noch) größer als Konkurrenz

 

2. Polarisation & Debatte, Polemik: Polarisation im Denken, Fühlen, Wollen, Handeln; Schwarz-Weiß-Denken; Neigung zu verbaler Gewalt; Reden wird zur Tribüne über Dritte; (teilweise bewusster) Wegfall von Höflichkeiten und Missachten der Etikette; Koorperation und Konkurrenz wechseln häufig

 

3. Taten statt Worte: Reden hilft nicht mehr; Strategie der vollendeten Tatsachen; Diskrepanz zwischen verbalem und nonverbalem Verhalten; nonverbales Verhalten überwiegt; Misstrauen; pessimistische Antizipation; Rollen bilden sich heraus; Konkurrenz größer als Koorperation

 

 

„win-lose“

4. Images und Koalitionen: Gerüchte werden gestreut; man bewegt einander in negative Rollen; Werben um Anhänger; Prinzip der "Doppelten Bindung"; es werden paradoxe  und nicht kongruente Aufträge erteilt

 

5. Gesichtsverlust: Ausstoßen und Verbannen; Werte und Prinzipien stehen im Vordergrund; Isolation; Selbstrehabilitation angestrebt, die aber in den Augen des Anderen zur Rechtfertigung wird

 

6. Drohstrategien: Drohung und Gegendrohung; Ultimaten; Stolperdrähte und Sprengfallen legen; starke Beschleunigung

 

 

„lose-lose“

7. Begrenzte Vernichtungsschläge: Denken in Dingkategorien; keine menschliche Qualität mehr; Umkehr der Worte in das Gegenteil; ein kleiner eigener Schaden zählt auch als Gewinn, wenn der Schaden bei der anderen Partei größer ist

 

8. Zersplitterung: Paralysieren des feindlichen Systems; Abschnüren des Gegners vom Hinterland; Zerstörung vitaler Funktionen

 

9. Gemeinsam in den Abgrund: kein Weg führt zurück; totale Konfrontation; Vernichtung auch zum Preis der Selbstvernichtung

 

 

In Konflikten liegen insbesondere drei Gefahren:

  • Wie eine Lawine breitet sich der Konflikt aus, gewinnt an Geschwindigkeit und zieht andere mit. Aus Unbeteiligten werden Zaungäste, dann Betroffene und schließlich Beteiligte. Der Konflikt gewinnt an Komplexität und ist viel schwerer zu lösen.
  • Es setzen Wahrnehmungsfilter ein: nur noch das, was zur eigenen Meinung passt, zählt. Aus diesem Wahrnehmungsfilter wird ein Schwarz-Weiß-Denken, eine Polarisation. Es setzt eine problem- und konfliktorientierte Denkweise ein. Ein Lösungsdenken verschwindet.
  • Prinzip der pessimistischen Antizipation: Man rechnet mit dem Schlimmsten, und es tritt auch noch ein. Wenn es nicht eintritt, passt es nicht zum Konflikt, der Filter blendet es aus. Aus dieser "self fulfilling prophecy" entwickelt sich eine Abwärtsspirale. Je mehr Parteien am Konflikt beteiligt sind und je komplexer der Konflikt ist, desto stärker wird die Abwärtsspirale.

 

 

Zusammenhang zwischen Eskalationsstufen und Konfliktmanagement

 

Eskalationsstufen Selbsthilfe Mediation Konflikt

Ich habe die verschiedenen Konfliktphasen und Hilfe-Optionen nach Glasl  einschließlich eines Beispiels zusammen gestellt. Bis zur dritten Stufe sind nach Glasl Selbsthilfe oder Nachbarschaftshilfe möglich. Eine Mediation ist von der ersten bis zur siebten Stufe möglich, darüberhinaus ist ein Machteingriff unabdingbar.

 

Der Vorgang ist mit einer Erkältung vergleichbar, die immer schwerer wird: irgendwann helfen die Hausmittel nicht mehr und Sie gehen zum Arzt. Auch er kann irgendwann nicht mehr helfen und überweist Sie in ein Krankenhaus.

 

In der Selbsthilfe oder der Nachbarschaftshilfe kann Ihnen das Modell der Logischen Ebenen helfen, einen Ausweg zu finden.  Ab Stufe 3, spätestens aber Stufe 4 ist externe Hilfe von Nöten.

 

Nun ist eine "Selbstbeurteilung" - wie das Wort schon sagt - immer ein subjektiver Eindruck. Der Andere sagt vielleicht, es "ist doch gar nicht so schlimm" oder "es ist doch schon viel schlimmer". Auch wenn eine Analyse der Situation wertvoll ist, um Klarheit zu gewinnen, kann gerade die subjektive Äußerung gegenüber der anderen Partei den Konflikt ungewollt weiter verschärfen.

 

Sprechen Sie mich gerne an, wenn ich Ihnen als "Übermittler" oder "Übersetzer" helfen kann.